Rollende Waldschule erobert den Dillkreis

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und damit verabschiedet sich auch die frisch eingeweihte Rollende Waldschule der Dillkreisjäger in ihre erste kleine Winterpause. Seit ihrer feierlichen Inbetriebnahme im Spätsommer hat der mobile Lernort bereits acht Einsätze absolviert – von Kitagruppen über komplette Grundschulen bis hin zu Firmenjubiläen. Dabei konnten hunderte Kinder und auch viele Erwachsene erreicht und für die heimische Natur begeistert werden.

Von Ende August bis Oktober tourte der neue Lernort Natur, ausgestattet mit hochwertigen Tierpräparaten und vielem weiteren Anschauungsmaterial, durch den ganzen Dillkreis.

Natur erleben – Lernen mit allen Sinnen

Wie verhalte ich mich im Wald? Welche Tiere leben bei uns? Welche Aufgaben haben Jäger heute? Vom Wildtiermanagement über Artenschutz bis zur Diskussion um invasive Arten oder den Wolf: Diesen und vielen weiteren Fragen gingen die Waldpädagogen gemeinsam mit den kleinen Besuchern auf spielerische und anschauliche Weise nach.

Wildtiere zum Anfassen war das große Highlight. Ob Fuchsbalg, Wildschweinschwarte oder Hirschgeweih – viele Präparate durften berührt, genau betrachtet und mit Fragen „gelöchert“ werden.

Zahlreiche neue Nachwuchs-Naturentdecker

In den ersten drei Betriebsmonaten konnten bereits hunderte Kinder erreicht werden. Das stärkt zum einen die Sensibilität für die Welt der Wildtiere und zum anderen das Verständnis für ökologische Zusammenhänge und moderne Jagd. Ein wichtiger Schritt, um Naturbildung langfristig in der Region zu verankern.

Nachfrage wächst weiter

Von den Kitagruppen bis zum Firmenfest – das Interesse ist ungebrochen. Die rund 20 ehrenamtlich aktiven Waldpädagogen der Dillkreisjäger gehen individuell auf Kinder und Erwachsene ein und machen jeden Besuch zu etwas Besonderem. Die Rollende Waldschule wird von April bis Oktober 2026 wieder regelmäßig unterwegs sein und zahlreiche Projekte, Schulen und Veranstaltungen besuchen.

Auch Unterstützer können zum Erfolg beitragen: Das Projekt wird durch Spenden und freiwilliges Engagement getragen. Dank Sponsoren wie Zeiss, der Rittal Foundation, REICH sowie vieler Helferinnen und Helfer konnte der Anhänger überhaupt erst entstehen – ein starkes Zeichen für gelebte Umweltbildung im Dillkreis.

 


Galerie

Einblicke in unsere Einsätze und Veranstaltungen

 


Presse Einweihung

Rollende Waldschule feierlich eingeweiht – Dillkreisjäger setzen auf Umweltbildung

Am 22.08.2025, an einem Freitagnachmittag, war es soweit: Die Dillkreisjäger stellten im Rahmen einer Feierstunde ihren neuen „Lernort-Natur-Anhänger“ – die sogenannte Rollende Waldschule – offiziell in Dienst. Rund 50 Gäste, darunter Landrat Carsten Braun, zahlreiche Sponsoren, Vereinsmitglieder und Unterstützer, waren der Einladung gefolgt. Gastgeber war Steffen Bender, der seine Firmenräume und -gelände der Firma REICH zur Verfügung stellte und zugleich mit Rangiertechnik und Elektroausbau selbst zum Gelingen des Projektes beigetragen hat.

Einweihung mit Tradition im Blick

Eröffnet wurde die Feierstunde vom ersten Vorsitzenden Dr. Rudolf Schönhofen. In seiner Begrüßung erinnerte er daran, dass heimische Jäger schon seit Jahrzehnten mit Schulklassen und Kindergärten in Wald und Feld unterwegs sind, um Kindern die heimische Natur näherzubringen. Auch auf Festen, Märkten und beim Hessentag 2016 seien die Dillkreisjäger mit ihrem pädagogischen Angebot präsent gewesen. Der neue Lernort-Natur-Anhänger knüpft damit an eine lange Tradition umweltpädagogischen Engagements an und bietet nun noch bessere Möglichkeiten, Naturerfahrungen direkt zu den Menschen zu bringen.

Von der Idee zur Umsetzung

Im Anschluss schilderte Andi Lehmann, Obmann für Waldpädagogik und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), den Weg zum neuen Anhänger. Der „zündende Funke“ sei im Oktober 2023 bei einem Aktionstag im Wildpark Donsbach gekommen. „Nach einem erfolgreichen Tag mit dem ausgeliehenen Lernort-Natur-Anhänger unserer Siegerländer Kollegen kam die Frage auf: ‚Wann haben wir endlich einen eigenen?‘“, erinnerte Lehmann. Schönhofen habe spontan gesagt: „Im Mai haben wir einen!“ – und Lehmann habe sofort zugesagt, sich verantwortlich um das Projekt zu kümmern.

Schon im Februar 2024 begannen die Sponsoring-Anfragen. Mit Erfolg: Die Firma Zeiss steuerte 5.000 Euro bei, die Rittal Foundation unterstützte mit 9.000 Euro. Damit war die Grundfinanzierung für einen neuen Anhänger gesichert. Doch es gab Rückschläge: Das Fahrzeug war nicht dicht, der Innenausbau musste gestoppt und nachgebessert werden. Erst nach Wochen konnte der Umbau fortgesetzt werden.

Handwerkliche Meisterleistung und besondere Ausstattung

Die Schreinerei Heun in Uckersdorf realisierte schließlich den Innenausbau. Dabei entschieden sich die Dillkreisjäger für eine begehbare Variante mit gestuften Ebenen und ausklappbarer Theke – kindgerecht, robust und praktisch für pädagogische Einsätze. „Wir wollten es richtig machen, nicht halbherzig“, so Lehmann. Neben dem Ausbau wurde auch das Design durch die Firma Intermedia entwickelt und in Zusammenarbeit mit der Firma Arnold Schilder umgesetzt. Mehrere Entwürfe führten zu einem stimmigen Gesamtkonzept, das die Gäste nun bei der Einweihung erstmals bewundern konnten.
Eine besondere Hürde waren die Tierpräparate: Viele ältere Stücke erwiesen sich als schadstoffbelastet. „Auch hier galt für uns: Wenn wir es machen, dann richtig – wir brauchen unbelastete Präparate“. Die Lösung kam durch den renommierten Präparator Udo Becker, ein Senckenberg-Museums-Präparator im Ruhestand, der neun erstklassige Exponate spendete, darunter Dachs, Fuchs und Eichhörnchen. Ergänzt wurden diese durch weitere, vom Verein neu angeschaffte Präparate. So ist der Anhänger heute mit anschaulichen, kindgerechten Lehrmitteln ausgestattet.

Bildungsauftrag und erste Einsätze

Der Lernort-Natur-Anhänger ist mehr als ein Schaukasten. Er soll Kindern direkte Naturerfahrung ermöglichen – zum Anfassen, Staunen und Lernen. „Man schützt nur, was man liebt. Und man liebt nur, was man kennt“, zitierte Lehmann Konrad Lorenz. Damit umschrieb er den Kern des Projektes: Begeisterung für die heimische Natur wecken und Verständnis für ökologische Zusammenhänge fördern. Der Anhänger sei ein rollendes Klassenzimmer, aber auch ein Gesprächsangebot für Erwachsene. Themen wie invasive Arten, der Umgang mit dem Wolf oder der Klimawandel im Wald sollen hier praxisnah diskutiert werden.

Seinen ersten großen Auftritt hatte der Anhänger beim Naturschutztag des Lahn-Dill-Kreises vor dem Kreishaus. „Die Lokalpresse wählte für den großen Bericht über den Tag genau ein Bild – unseren Anhänger“, berichtete Lehmann stolz.

Auch bei kommenden Veranstaltungen ist die mobile Waldschule gefragt: In zertifizierten Naturparkschulen, Kitas, Wildparks und bei öffentlichen Festen wird sie künftig regelmäßig Station machen.

Gemeinschaftsleistung mit Signalwirkung

Dass dieses Projekt Wirklichkeit werden konnte, ist einer starken Gemeinschaft zu verdanken. Mehr als 20 freiwillige Helfer – vom Klempner bis zur Lehrerin, vom Studenten bis zum Rentner – engagieren sich, um den Einsatz der Rollenden Waldschule 
zu begleiten. „Es sind ganz normale Menschen, die eines verbindet: die Begeisterung für Wildtiere und Natur“. Auch Sponsoren und Partner wie die Rittal Foundation, Zeiss, REICH, Intermedia und viele andere haben maßgeblich beigetragen.

Ein Fest mit vielen Gästen

Nach den Reden nutzten die Gäste die Gelegenheit, bei Kaffee, Kuchen, Fingerfood und kalten Getränken ins Gespräch zu kommen und den Anhänger zu besichtigen. Viele zeigten sich beeindruckt von der professionellen Umsetzung und den vielfältigen pädagogischen Möglichkeiten. Zahlreiche Schulen und Kindergärten signalisierten Interesse, die mobile Waldschule künftig für Projekttage zu buchen.

Ausblick

„Heute steht er da: unser Lernort Natur – ein Projekt voller Herzblut, Geduld und Tatkraft“, „Möge dieser Anhänger vielen Kindern Aha-Erlebnisse schenken und Berührung mit echter Natur ermöglichen. Und wenn am Ende einer Veranstaltung wieder ein Kind oder ein Erwachsener weiß: ‚Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch‘ – dann wissen wir: Es lohnt sich.“
Mit einem kräftigen „Waidmannsheil“ und dem Wunsch „allzeit eine Handbreit Luft unterm Bodenblech“ endete die offizielle Einweihung. Die Rollende Waldschule ist nun bereit für viele spannende Einsätze im Dillkreis und darüber hinaus.